Literarischer Gartenspaziergang, 22. Juli, 19 Uhr

Letztes Jahr gab es einen Literarischen Baumspaziergang. Die Freude, die er Zuhörenden und Lesenden gemacht hatte, verlangte nach mehr: nun also ein literarischer Gartenspaziergang. Dieses Mal sollte der Zauber von Gärten erlebt werden – tatsächlich und literarisch.

Etwa 60 Menschen folgten der Einladung von Christina Kelm (Buchhandlung Lesekatze), Eva Güther-Fontaine (Pastorin) und Sabina Prittwitz (Politikwerkstatt der Grünen) – eine große Zahl für die schmalen Pfade der Gärten! 

Vom Treffpunkt am EVA-Parkplatz („Willst Du ein Leben lang glücklich sein, so werde Gärtner.“ – aus einem chinesischen Sprichwort) ging es zum Kräutergarten des Obst- und Gartenbauvereins, dann weiter zum Garten an der Hasenmühle, und schließlich zum Garten an der Entengasse, dem „Paradies in der Stadt“. Alle diese Gärten sind als Naturgarten zertifiziert. Und das sieht man: nackten Boden gibt es nicht, dafür Wasserschalen, viel Rankendes, viel heimisches Blühendes, Gesumm, Sonne und Schatten, verschiedenste Früchte.

Die Besitzer erzählten etwas zur Geschichte ihres Gartens, man flanierte und schaute, dann gab es ein wenig Literatur.

Herbert Sittinger und seine Frau Maria erklärten den Aufbau des blühenden duftenden Kräutergartens nach Heilwirkung der Kräuter – passend das Lehrgedicht „Über den Gartenbau“ des Abts von Reichenau Walahfrid Strabo aus dem 9. Jahrhundert, und Bertolt Brecht, der in seinem „Der Blumengarten“ Unerwartetes zeigt.

Im wunderschönen Gemeinschaftsgarten an der Hasenmühle kennt Initiatorin Jeanne Brunk-Tan Geschichten zu jeder Pflanze, lässt sogar Tee von den Blättern der Teehortensie kosten. Hören kann man „Elisabeth und ihr Garten“ von Elisabeth von Arnim (wie schön, dass „der Grimmige“ nicht da ist), „Die Schnecken“ von Wilhelm Busch, und das fast 700 Jahre alte „Morgens ging ich in den Garten“ vom persischen Mystiker Rumi. Vielfalt nicht nur bei den Gewächsen!

Elisabeth Vondran hat an der Entengasse ihr „Paradies in der Stadt“ geschaffen: von außen nicht zu erahnen und innen eine eigene Welt; da wurde ein Pool zu einem eingewachsenen Teich. Dazu „Der alte Garten“ von Marie Luise Kaschnitz: „Mitten in der großen Stadt liegt ein sehr alter Garten. …“ Zum Abschluss spielt Gartenbesitzer Matthias Mößner den auf der verwunschenen Terrasse Sitzenden Chopin, Beethoven und, als Zugabe, Take Five. Gärten sind so viel mehr!

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