In der Stadtratssitzung vom 29. Oktober standen wichtige Weichenstellungen für die Stadtentwicklung, den öffentlichen Nahverkehr, den sozialen Wohnungsbau sowie die Kultur- und Veranstaltungslandschaft Alzenaus auf der Tagesordnung.
Der Stadtrat beschloss zunächst die nächsten Schritte für die Entwicklung des ehemaligen Wellpappe-Geländes. Nach Abschluss des städtebaulichen Wettbewerbs soll der Siegerentwurf (PDF) des Büros NUWELA aus München Grundlage für die weitere Bauleitplanung werden. Einige Aspekte des Entwurfs, etwa die Lage der Quartiersgaragen oder die Zahl der Wohnungen, sollen im weiteren Verfahren noch an die Vorstellungen der Stadt angepasst werden. Der Beschluss zur Aufnahme der Planungsverhandlungen wurde einstimmig mit 24 Stimmen gefasst.
Ebenfalls einstimmig fiel die Entscheidung zur Zukunft des Alzenauer Gemeinde-Tickets. Hintergrund ist eine notwendige rechtliche Neuregelung, um den vergünstigten ÖPNV-Tarif dauerhaft abzusichern. Für die Bürgerinnen und Bürger ändert sich dadurch praktisch nichts, die bisherige Finanzierung des Angebots bleibt erhalten.
Breite Zustimmung fand auch das geplante Wohnprojekt für Menschen mit Behinderungen auf der Fläche Bohnäcker. Das Dominikus-Ringeisen-Werk möchte dort ein Wohnangebot schaffen und reagiert damit auf einen erheblichen Bedarf in der Region. Insbesondere durch die Schließung bestehender Einrichtungen stehen viele Betroffene und ihre Familien unter Druck, geeignete Wohn- und Betreuungsangebote zu finden. Der Stadtrat begrüßte das Vorhaben einstimmig und beauftragte die Verwaltung mit den weiteren Schritten zur Baurechtschaffung und den Grundstücksverhandlungen. Die GRÜNEN unterstützen das Projekt ausdrücklich als wichtigen Beitrag zu einer inklusiven Stadtentwicklung.
Beim Neubau des Feuerwehrgerätehauses informierte die Verwaltung über den aktuellen Sachstand. Notwendige Überarbeitungen bei Schallschutz- und Umweltgutachten sowie die besonderen Anforderungen durch das Wasserschutzgebiet führen zu weiteren Verzögerungen im Verfahren. Parallel wird geprüft, ob die Umsetzung über ein General- oder Totalunternehmermodell erfolgen soll, um mehr Kosten- und Planungssicherheit zu erhalten. Ziel bleibt es, die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen bis Sommer 2027 zu schaffen. Einigkeit bestand im Stadtrat darüber, dass das neue Feuerwehrhaus für die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr von zentraler Bedeutung ist.
Mit lediglich einer Gegenstimme wurde die Neufassung der Hundesteuersatzung beschlossen. Damit wird die bereits im Juli beschlossene Erhöhung der Hundesteuer um 50 Prozent zum 1. Januar 2027 umgesetzt.
Ausführlich diskutiert wurde der Sachstandsbericht zu den Burgfestspielen 2026. Die Veranstaltungsreihe war mit über 6.400 Besucherinnen und Besuchern erneut ein großer Publikumserfolg und nahezu ausverkauft. Gleichzeitig schloss die Saison jedoch mit einem Defizit von rund 60.000 Euro ab. Während die grundsätzliche Bedeutung der Burgfestspiele für das kulturelle Leben in Alzenau von allen Fraktionen anerkannt wurde, äußerten wir GRÜNE Bedenken hinsichtlich der finanziellen Entwicklung. Wir schlugen daher vor, die Burgfestspiele künftig nur noch im Zweijahresrhythmus durchzuführen. So könnte das Defizit langfristig reduziert werden, ohne auf das kulturelle Angebot vollständig verzichten zu müssen. Der Vorschlag fand jedoch keine Mehrheit. Die Fortführung der Planungen für das Jahr 2027 wurde schließlich mit 18 Ja-Stimmen beschlossen. Die sechs Gegenstimmen kamen von den GRÜNEN und der WBA.
Auch beim Rückblick auf das Stadtfest 2026 spielte die Frage der finanziellen und nachhaltigen Gestaltung von Veranstaltungen eine Rolle. Das Jubiläums-Stadtfest wurde insgesamt als Erfolg bewertet. Besonders bemerkenswert war, dass trotz der trockenheitsbedingten notwendigen Absage des Feuerwerks keine nennenswerten Besucherrückgänge oder Umsatzeinbußen bei den Schaustellern festgestellt wurden. Für uns GRÜNE bestätigt dies unsere langjährige Forderung, Alternativen zum Feuerwerk zu prüfen und langfristig auf umweltfreundlichere Konzepte umzusteigen. Gleichzeitig machte die Verwaltung deutlich, dass Drohnen- oder Lasershows derzeit erheblich höhere Kosten verursachen würden. Für das Feuerwerk 2026 wurden Sponsoren gefunden.
Positiv bewertet wurde die erstmals eingeführte Stadtfest-Bändchen-Aktion, die zusätzliche Einnahmen generierte. Allerdings wurde auch deutlich, dass das Vermarktungspotenzial noch nicht ausgeschöpft wurde. Im kommenden Jahr könnten Ehrenamtliche mit gezieltem Zugehen auf die Besucher*innen die Verkaufsstrategie ergänzen. Stadträtin Angela Hadler (GRÜNE) regte an, die Bändchen künftig mit konkreten Vorteilen bei Verkaufsständen zu verbinden. Ein erkennbarer Mehrwert könne die Verkaufszahlen deutlich steigern und die Bereitschaft zur Unterstützung des Stadtfestes erhöhen.