Landwirte schützen, Klimaschutzkonzept beerdigen?

Die jüngste Entscheidung im Alzenauer Stadtrat, Freiflächen-Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen künftig stark einzuschränken, ist ein massiver Rückschritt für den Klimaschutz und ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich vor Ort für eine konsequente Energiewende einsetzen. Unter dem Deckmantel des Schutzes landwirtschaftlicher Flächen wird der Ausbau erneuerbarer Energien bewusst ausgebremst und die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt gefährdet.

Besonders scharf kritisieren wir das Abstimmungsverhalten von CSU, FDP und Freie Wähler/PWG. Mit ihrer Zustimmung zu dieser Einschränkung haben diese Fraktionen faktisch gegen den Klimaschutz gestimmt. Sie führen die Umsetzung des Alzenauer Klimaschutzkonzeptes ad absurdum, zentrale Maßnahmen zur Emissionsminderung werden damit aktiv blockiert und der notwendige Ausbau erneuerbarer Energien vor Ort unnötig verhindert. Der Beschluss sieht vor, Photovoltaik-Anlagen auf Ackerflächen nur noch bis zu einer sogenannten Ackerzahl von 35 zuzulassen. Damit werden zahlreiche geeignete Flächen pauschal ausgeschlossen – ohne Einzelfallprüfung, ohne Rücksicht auf innovative Nutzungskonzepte und ohne Blick auf die dramatischen Folgen der Klimakrise. Für Bündnis 90/Die Grünen ist klar: Diese ideologisch motivierte Begrenzung wird weder den Anforderungen des Klimaschutzes noch den Interessen vieler Landwirtinnen und Landwirte gerecht.

Gerade in Zeiten steigender Energiepreise, geopolitischer Unsicherheiten und immer spürbarer Klimafolgen braucht es entschlossenes politisches Handeln. Statt Bremsklötze einzubauen, muss Alzenau Vorreiter beim Ausbau erneuerbarer Energien sein. Moderne Freiflächen-Photovoltaik kann Biodiversität fördern, Böden schützen und landwirtschaftliche Nutzung weiterhin ermöglichen. Diese Lösungen werden jedoch von der Stadtratsmehrheit ignoriert.

Der beschlossene Kurs sendet ein fatales Signal: Klimaschutz wird politisch hintangestellt, obwohl er eine der zentralen Zukunftsaufgaben unserer Zeit ist. Wer heute den Ausbau erneuerbarer Energien blockiert, nimmt steigende Kosten, Abhängigkeiten und ökologische Schäden bewusst in Kauf.

Bündnis 90/Die Grünen fordern deshalb:
– eine sofortige Überprüfung und Rücknahme der pauschalen Ackerzahl-Grenze,
– eine transparente und fachlich fundierte Einzelfallprüfung geeigneter Flächen,
– die aktive Einbindung von Landwirtinnen und Landwirten sowie Expertinnen und Experten,
– deutlich mehr Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energien in Alzenau,
– sowie verbindliche Maßnahmen zur Umsetzung des kommunalen Klimaschutzkonzeptes.

Klimaschutz und Landwirtschaft dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Eine nachhaltige, wirtschaftlich starke und lebenswerte Zukunft für Alzenau ist nur möglich, wenn beide zusammen gedacht und konsequent umgesetzt werden.

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