Grüne Alzenau

Stadtverband

Bild aus einem Wald

Bayern ist verpflichtet, die Artenvielfalt als Lebensgrundlage dauerhaft zu erhalten (Art. 1a BayNatSchG ). Obwohl der Artenschutz vor allem in der Kulturlandschaft geschehen muss, kann und muss Alzenau sich auch in seinen kommunalen Waldflächen und im Siedlungsbereich für größere biologische Vielfalt einsetzen.

Alzenauer Natur

Mehr als 75 % der Alzenauer Stadtfläche sind Landschaftsschutzgebiete, es gibt das Naturschutz-gebiet „Alzenauer Sande“ – das klingt gut – und doch macht der Artenschwund auch vor Alzenau nicht halt. Landschaftsschutzgebiete, auch Naturschutzgebiete, versprechen mehr als sie halten können. Dort darf weiter gedüngt werden, dort dürfen sogar Pestizide verwandt werden. Die Anwendung von Pestiziden in Naturschutzgebieten ist erst infolge des Artenschutzbegehrens auf intensiv genutzte landwirtschaftliche Flächen (also Ackerbau) beschränkt worden (Art. 23a BayNatSchG). Außerdem gibt es überall den Eintrag über die Luft.

Aber: Uferstreifen werden nun - infolge des Volksbegehrens Artenschutz - auf 5 m an jeder Seite eines Gewässers geschützt. Das führt, wenn sie denn tatsächlich nicht mehr genutzt werden, bei den in Alzenau vorhandenen 20 Bächen automatisch zu einem Biotopverbund – der ja seit langem angestrebt wird.

Plastik in der Landschaft ist kein nur ästhetisches Problem; es zersetzt sich zu Mikroplastik, das keiner von uns will. Das gilt auch für die momentan eingesetzten Hundekotbeutel. Hier brauchen wir mehr Problembewusstsein und Eigenverantwortung – und Leute, die den Müll einfach mitnehmen, auch wenn es nicht ihrer ist (in Berlin gibt es schon Stadtführungen mit Müllaufsammeln). 

Ein schönes Detail: auf den Prischoßwiesen konnte 2019 ein Storchenpaar angesiedelt werden. Warum soll nicht mehr möglich sein?

Naturnaher Wald

Für Alzenau ist der umgebende Wald prägend, knapp die Hälfte des Stadtgebietes ist Wald. Aber dieser relativ vielfältige Wald hat unter der Hitze und Trockenheit der letzten Jahre, sowie unter dem Hagelsturm, stark gelitten. Die Windwurfflächen schaffen nun zusätzlich freie Bahn für den Wind und ermöglichen damit weitere Austrocknung.

Dabei ist die Bedeutung des Waldes für Klima und Artenschutz kaum zu überschätzen. Wälder und deren humusreiche Böden sind bedeutende Kohlenstoffsenken. Auch für die Artenvielfalt ist Wald von hoher Bedeutung; der Wald ist als Lebensraum für zahlreiche Arten wichtig. Art.3 Abs. 3 S.2 BayNatSchG verlangt deshalb, dass „im Staatswald das vorrangige Ziel zu verfolgen ist, die biologische Vielfalt des Waldes zu erhalten oder zu erreichen.“

Gleichzeitig hat der Wald wichtige Funktionen für den Wasserhaushalt: Wälder halten Regenwasser zurück, speichern es und vermeiden damit Hochwasserspitzen und bilden Grundwasser. Wald verdunstet Wasser und ist temperaturausgleichend.

Zudem dient der Wald der Holzproduktion. Holz aus heimischem nachhaltigen Forst ist ein nachwachsender Rohstoff, ein hervorragender ökologischer Baustoff (wirtschaftlich wertvolle Bäume erforderlich), das anfallende Brennholz ermöglicht regeneratives Heizen. 

Und der Wald soll Erholungsraum sein – doch der hohe Freizeitdruck ist ein großes Problem, es braucht gelenkte Aktivitäten (Trail) – und ganz viel Information (Umweltamt).

Es ist aus diesen Gründen fundamental, die Wälder zu erhalten und zu stärken. Als Waldbesitzerin trägt Alzenau also eine große Verantwortung. Unbestritten ist, je vielfältiger der Wald, desto resistenter.

Zwar tragen bereits Teile des Alzenauer Waldes das Gütesiegel PEFC für nachhaltigen Waldbau, die Bewirtschaftung des Alzenauer Stadtwaldes sollte aber in mehreren Punkten noch naturnaher erfolgen:

  • Anzustreben ist eine Vielfalt einheimischer Baumarten (für Hahnenkamm wohl gegeben); es gibt genügend geeignete einheimische trockenheitsresistente Arten. Fremde Baumarten, die allenfalls für die Generalisten unter den heimischen Tierarten Nahrung bieten können und die zudem stets Risiken bergen, weil wir ihre Auswirkungen im Ökosystem noch nicht kennen, sind daher im Waldbau nicht erforderlich. Wenn, dann Einwanderer aus der Mittelmeerregion.
  • Naturverjüngung und Aussaat vor Neuanpflanzung; denn nur so wird genetische Vielfalt erlaubt/ geschaffen, nur so wachsen die für den Standort Geeignetsten heran und setzen sich durch. An manchen Orten sollten die liegenden Bäume als Schutz der Natur-verjüngung liegen bleiben (nicht in den Alzenauer Sanden) – das schüfe Vielfalt und wäre auch finanziell und arbeitstechnisch interessant. Die Aufforstung durch Jung-pflanzen ist sehr problematisch wegen der naheliegenden Möglichkeit des Vertrocknens.
  • Altbäume und Totholz belassen – ein großer Teil der Käfer ist in einem Stadium seiner Entwicklung darauf angewiesen.
  • Um die Bodenverdichtung zu verringern, sollten die Harvestereinsätze reduziert werden.

Das Ziel sind standortgerechte, naturnahe und produktive Wälder, die nachhaltig bewirtschaftet werden.

Naturwald (Naturwaldfläche wird dauerhaft nicht wirtschaftlich genutzt) sollte bis 2020 in Deutschland 5 % der Fläche ausmachen (Nationale Strategie Biologische Vielfalt von 2007), 2019 waren bundesweit nur 2,8 % der Wälder sich selbst überlassen, in Bayern sogar nur 1,26 %. In Alzenau wurde im April 2019 das Naturwaldreservat  „Schöne Aussicht“ ausgewiesen. Sehr gut. Es wäre erstrebenswert, ein weiteres Naturwaldreservat in der Mühlmark mit ihren Sandböden zu errichten (anderer Schutzzweck als in der Alzenauer Sande: Wald statt offene Flächen).

Konkrete Maßnahmen für Alzenau:
  • Naturnaher Wald: Vielfalt einheimischer Bäume, Naturverjüngung/Saat, Totholz
  • Weiteres Naturwaldreservat in der Mühlmark ausweisen

 

Wasser, das bleibt

Versickern ermöglichen – oder Wasser speichern

Der Grundwasserspiegel ist durch die Trockenheit der letzten Jahre signifikant gefallen (problematisch für Trinkwasserversorgung und tiefwurzelnde Bäume). Regen lässt ihn steigen - wenn das Wasser langsam versickert und Grundwasser neu bilden kann. Gleichzeitig rauschen die Starkregenfälle die Straßen entlang (oder in Rinnen von Weinbergen und Äckern hinunter), überlasten das Abwassersystem und lassen die Kläranlage überlaufen, gehen also verloren, anstelle zu versickern und den Boden tiefgründig und nachhaltig zu durchfeuchten und so zur Grundwasserneubildung beizutragen.

Das ist nicht sinnvoll. Das Ziel muss sein, das Wasser zurückzuhalten, es versickern oder verdunsten zu lassen. Und es für Trockenzeiten zu speichern.

Das gelingt vor allem mit Entsiegelung von Flächen, die dann wieder Wasser aufnahmen können, mit offenen Rückhaltebecken, mit Gartenteichen, die mit Regenwasser gespeist als Puffer dienen oder mit großen Zisternen. Sie ermöglichen Wassersparen durch Nutzung von Regenwasser als Brauchwasser oder für die Gartenbewässerung. Auch Gründächer nehmen viel Wasser auf. Möglich wären Gründächer als Verpflichtung für jedes nicht als begrünte Terrasse genutzte Einzel- oder Doppelgaragendach. Das neue Abwasserkonzept für Alzenau, das die Abwassergebühren nach dem Versiegelungsgrad des Grundstücks berechnet, weist den Weg in Richtung Entsiegelung. Auch im landwirtschaftlichen Bereich können Wassermulden oder Wasserreservoirs an Hängen zum „Halten“ des Wassers sinnvoll sein.

Renaturierung von Bächen

Bis 2027 ist ein guter Zustand bei allen deutschen Flüssen zu erreichen, so fordert es die Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Bisher ist der Zustand der Kahl als „unbefriedigend“ eingestuft. Sollte das am Querbauwerk in Kahl liegen, wäre ein (weiteres) Hinwirken der Gemeinde Alzenau auf Durchlässigmachen der Kahl in der Gemeinde Kahl nötig – und auch im Interesse der Gemeinde Kahl. Ansonsten sind andere Maßnahmen erforderlich.

Nach der 2015 erfolgten Renaturierung eines Abschnitts der Kahl befürworten wir weitere Renaturierungen, damit das Wasser langsamer fließt und damit auch versickert – und uns hier nützt. Die geplante Renaturierung des Neuwiesenbachs begrüßen wir daher. Erhalt und Erweiterung der Überschwemmungsgebiete ist  wichtig – zum Grundwasseraufbau hier und zum Schutz von Main und Rhein dort.

Konkrete Maßnahmen für Alzenau:
  • Entsiegelungsoffensive zur besseren Grundwasserneubildung
  • Anregung zur Schaffung von Wasserreservoirs
  • Weitere Renaturierung von Bächen

 

Siedlungsbereich – kühl und lebendig

Artenschutz und Klimaanpassung im Siedlungsbereich kann nur mit „Natur in der Stadt“ effektiv umgesetzt werden. Das gilt auch für eine „Stadt im Grünen“ wie Alzenau.

Gardening for Future – lebenswerte Stadt im Sommer 

Gärtner*innen können sehr viel tun, um die Hitze der Stadt im Sommer erträglich zu machen. Ihre Mittel: großkronige Bäume, um die befestigten Flächen zu beschatten (nichts ist schlimmer als aufgeheizter Asphalt), Blumenwiesen statt braun werdender Rasen, blühende Dächer, grüne Wände (also Kletterpflanzen). Die Bedeutung von Grün für das Stadtklima kann also gar nicht überschätzt werden. Stadtbäume sind eine wesentliche Strategie der Klimaanpassung (Schattierung plus aktive Kühlung); die positiven Auswirkungen der noch jungen Bäume an der Hanauer Straße bei heißem Wetter sind schon jetzt deutlich zu bemerken.

Die Plätze und Straßen des hitzegewohnten Mittelmeerraums sind auch im Sommer attraktiv: baumbestandene Piazzas, ein geschlossenes Kronendach, der Boden kann sich nicht aufheizen – traditionelle Patios mit Brunnen. Daran sollten wir uns orientieren. So geht man entspannt mit hohen Temperaturen um.

Dafür erforderlich sind Bäume  -  alte Bäume mit großer Krone: sie schaffen Räume, geben das aus dem Boden aufgenommene Wasser als Wasserdampf an die Umgebung ab, absorbieren Staub, binden Kohlendioxid und geben Sauerstoff ab und sorgen für saubere Atemluft. Sie sind unverzichtbar. Altbäume lassen sich nie durch Neupflanzungen ausgleichen. Alte Bäume müssen erhalten bleiben. Eine Baumsatzung scheint dennoch nicht der richtige Weg, weil dann viele Eigentümer*innen ihre Bäume gar nicht erst wachsen lassen oder andere Lösungen finden. Also setzen wir auf Überzeugung und Begeisterung für Bäume (Umweltamt).  

All das gilt auch nach dem Sturmereignis 8/2019; wir müssen in Gärten und Parks Bäume nachpflanzen, die groß werden, und die Bürger*innen genau davon überzeugen, denn eine tabula rasa beschert uns ein unerträgliches sommerliches Stadtklima, geringere Wasserhaltekapazitäten des Bodens usw. Die Angst vor dem Umstürzen eines Baumes bei einem neuerlichen Sturm ist irrational. Ihr ist wegen all der positiven Auswirkungen des Grüns in der Stadt, auch für die Seele, entschieden entgegenzutreten.

Eine offensive Beratung zu den Vorteilen der Schattierung von (Privat)Häusern durch geeignete Pflanzen (Hausbäume und Kletterpflanzen anstelle von Kühlanlagen, die Abwärme und CO2 produzieren, somit kontraproduktiv sind) könnte ein weiterer Aufgabenbereich des Umweltamtes sein. Das Umweltamt muss noch viel bürgerwirksamer werden.

Es gibt viele Menschen, die Bäume eigentlich lieben, aber die Kehrarbeiten zuhause nicht mehr schaffen. Hier könnten unkomplizierte Hilfsangebote manchen Baum erhalten und damit dem Gemeinwohl dienen – und Menschen ihren Alltag lebbarer machen.

 Naturnahes öffentliches Grün – oder eher Bunt

Auch im besiedelten Bereich ist biologische Vielfalt möglich. Dafür brauchen wir möglichst viele wildlebende Pflanzen - die viele wildlebende Tierarten nach sich ziehen. Wir setzen uns ein für eine naturnahe artenreiche dauerhafte Gestaltung des öffentlichen Grüns in Alzenau. Die Natur muss in die Stadt (Artenschutz). Dabei Aufwertung artenarmer Rasenflächen mit Wildstauden oder regionalem Saatgut, konsequente Neuanlagen: Blumenwiesen, Wildblumensäume, Wildgehölze (heimische Pflanzen als Grundlage heimischer Tiere), langsame Umgestaltung durch andere Pflege.

Heimische Wildpflanzen sind stets die erste Wahl, weil unsere Pflanzen und Tiere aufeinander abgestimmt sind und daher nur sie den vielen sehr spezialisierten Tieren in all seinen Entwicklungsstadien (beim Schmetterling vom Ei über die Raupe zum Falter) Nistraum und Nahrung bieten können. Vielleicht nicht die Spinne, aber jedenfalls den Schmetterling sieht jeder gern.

Für all dies steht das Projekt „Alzenau summt“, das das riesige Problem des Artenschwundes in der Öffentlichkeit bekannt macht und vor allem durchführbare Lösungen vorantreibt. Wir sehen überall noch viel Potential für Wildbienenweiden: in Gärten (jeder Balkon bietet eine Blühfläche), im öffentlichen Grün (auf Friedhöfen, an Straßensäumen, auf Verkehrsinseln), auf Firmenflächen und auf Gründächern. Jeder Quadratmeter einheimischer Wildpflanzen zählt.

In der Stadt stehen bisher aber vielfach gefüllte Kleinstrauchrosen, Beete mit Wechselbepflanzung, das alles in Rindenmulch – da macht der Bläuling kehrt. Rollrasen ist Instantgarten, nichts als grüne Farbe, so aufregend wie grüner Beton (wir und der Artenschutz aber wollen Vielfalt und Summen und Schmetterlinge).

Naturnahe Flächen sind nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und - manchmal erst mit ein bisschen Übung -  auch ästhetisch ein Gewinn. Die Vorteile sind erheblich: derartige Anlagen sind weniger pflegeintensiv (kein Wechselflor und daher kostengünstiger), hitze- und trockenheits-resistenter (sie müssen deutlich weniger/gar nicht gewässert werden).

Die Sehgewohnheiten schließlich ändern sich durch Tun, durch tägliches Erleben. Also konsequent naturnah – aber mit Augenmaß. In Kübeln kann es natürlich Wechselflor geben oder Exoten (wenn nicht Alzenau summt darauf steht, denn das ist unpassend, summen tut es da ja nicht oder wenig). Auch das kann als schön wahrgenommen werden – auch insofern soll es Vielfalt geben - alle sollen sich wohl fühlen. Es geht um das Mengenverhältnis. Und Natur verlangt Geduld: Artenreiche Ansaaten von Wildblumenwiesen werden von Jahr zu Jahr schöner.

Die Teilnahme am bundesweiten Förderprogramm Zukunft Stadtgrün unterstützen wir ausdrücklich, plädieren allerdings wegen der gleichzeitigen positiven Auswirkung auf die Tierwelt für einheimische klimafeste Bäume. Denn Grün ist nicht gleich grün.

Wir finden Alleen wunderschön – allerdings wieder nur mit einheimischen Bäumen, gerne auch Obstbäumen, wie früher zur Verköstigung der Reisenden. Das Beharren auf den „Einheimischen“ ist weder Nörgelei noch Spleen, sondern praktizierter Artenschutz. Denn nur die einheimischen Bäume spenden mit ihren Blättern und Blüten einer Vielfalt von oft sehr spezialisierten Tieren Lebensraum. Warum sollte man auf diesen Effekt verzichten? Es gibt auch bei uns genügend trockenheits-resistente Arten. Ein weiterer wichtiger Punkt: es sollten junge Bäume sein. Denn diese wachsen besser an – gerade auch in Trockenjahren und sie sind um ein Vielfaches billiger. Und wir müssen sparen.

Buntes Grün verlangt Know-how

Wesentlich für Wildblumenvielfalt sind arme Böden. Problematisch ist, dass der überall stattfindende Stickstoffeintrag – aus der Landwirtschaft und dem Autoverkehr - für Düngung unterschiedslos aller Flächen sorgt. Bei Planung und Gestaltung führt Hilfestellung durch erfahrene Gestalter*innen zum Erfolg. Das Bündnis „Gemeinden für biologische Vielfalt“ ist ein Netzwerk. Hier gibt es Vernetzung mit anderen Gemeinden, mit erfahrenen Praktiker*innen sowie alles über Methoden, Technik und Herangehensweisen -damit es klappt mit der Wildpflanzenvielfalt.

Ganz wichtig ist: nicht nur Gemeinderat und Umweltabteilung, auch der Bauhof und dessen Mitarbeiter*innen müssen überzeugt werden – dass das geht, zeigen andere Gemeinden; gerade die Bauhofmitarbeiter*innen müssen von Anfang an mit einbezogen und begeistert werden, Sinn und Zweck der neuen Aktionen verstehen: sie setzen um, sie arbeiten sinnvoll, denn sie gestalten eine wünschenswerte Zukunft mit. Eine öffentliche Vorstellung des Projekts ist immer sinnvoll.

Eine Mitgliedschaft im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“ würde für Vernetzung sorgen und umfangreiches Voneinanderlernen ermöglichen.

Pflege und Unterhaltung der Flächen

Naturnah bedeutet natürlich zuallererst keine Pestizide, kein Kunstdünger. Alzenau ist bereits eine „pestizidfreie Kommune“, d.h. die Stadt selbst verwendet bei der Pflege ihrer Grünflächen keine Pestizide an. Das ist gut. Anders sieht es leider in vielen Privatgärten aus (und am Alzenauer Burg-Weinberg?).  Auch hier möchten wir bei den noch erlaubte Pestizide nutzenden Bürger*innen ein Umdenken erreichen. Denn: ein krabbelndes Insekt bringt die Rose nicht um und ist Nahrung für Vögel und Fledermäuse.

Für die Extensivgrünpflege kommunaler Flächen brauchen wir ein festgelegtes ökologisches Pflegekonzept mit teils erheblich reduzierten punktuellen und rhythmisierten Pflegeschnitten. Radikale Mehrfachmahden zerstören Insekten und Amphibien. 

Kommunale Randstreifen sind wichtig; der Acker bis zum geteerten Weg lässt der Natur keinen Raum. Hier geht es um die Straßenrandpflege, um Grabenpflege: statt Schlegeln und Mulchen (und damit Unterdrückung von Artenvielfalt), Mahd mit Balkenmäher und Abräumen der Flächen (bedeutet aber Mehraufwand durch zweiten Durchgang); verschiedene Mahdzeitpunkte. Nur durch diese unterschiedliche Pflege erreicht man erhebliche ökologische Aufwertung, schafft eine langsame Umgestaltung; bisher hat Alzenau nur Schlegelmulchgeräte (die 95 % der Insekten zerstören).

Wir befürworten eine persönliche Zuordnung von öffentlichen Flächen an Interessierte (z.B. Teestube, auch jump-in – einzige Bedingungen: keine Pestizide, kein Kunstdünger, keine „Tabupflanzen“.) Lust machen auf Grün.

Aus allen diesen Gründen darf Stadtgrün nicht für Nachverdichtung geopfert werden – die muss auf andere Weise ohne Neuversiegelung erfolgen. Umgekehrt ist Entsiegelung, wo immer möglich (z.B. Dr. Ulrich-Platz) zu fördern.  

In – mit Lust betriebenen - Schulgärten können  Kinder und Jugendliche die Freude am Wachsen erleben. Man schützt nur, was man kennt. Was man nicht kennt, kann man nicht lieben. Jedes Kind mag Pflanzen und Tiere. Kindern wird vielfach die Möglichkeit vorenthalten, sich für Pflanzen und Tiere zu begeistern.

Zudem kann die Kommune auch hier Vorbild für Privatgärten und Firmenflächen sein.

Lebendige Privatgärten und blühende Firmengelände

Ein Garten ist seit jeher – und überall auf der Welt - Sinnbild des Paradieses. Eine grüne und bunte Oase. Natürlich gibt es solche Gärten. Aber viel zu wenig. Den eigenen Garten oder Balkon (auch hier ist viel mehr möglich als die meisten ahnen) als Lebensraum sehen, in dem es tatsächlich so schön ist, wie wir uns das erträumen – das wäre das Ziel. Wir brauchen dafür viel Blühendes und viel Einheimisches. Und ein wenig Phantasie. Kletterpflanzen schaffen Schönheit in die Höhe.

So arbeitsintensiv ist ein lebendiger Garten gar nicht. Denn das „Lassen“ ist wichtig. Laub, Holz liegen lassen, Stängeln stehen lassen. So kommt das Leben. Denn alle Tiere brauchen nicht nur Blüten sondern auch Nistmöglichkeiten, Lebensraum.

Das Gegenteil von all dem sind Schottergärten. Schottergärten sind ein Garant für Sommerhitze und der Feind aller Biodiversität. Deshalb muss dieser Trend gestoppt werden, um zu echten Gärten zurückzukehren. Gärten können Paradiese sein – sie müssen nicht zu Einöden verkommen.

Bisher fehlt vielen Gärtner*innen das Bewusstsein, dass der Großteil der im Gartencenter angebotenen Pflanzen nicht heimisch ist  – und damit für hiesige Insekten, die an unsere Flora angepasst sind, häufig nicht von Nutzen. Wir würden gerne GaLabauer, Gartencenter etc. ins Boot nehmen gegen Thuja, Forsythie (weder Nektar noch Pollen) und Kirschlorbeer (nur die Blüten sind für einige Bienen von Interesse, nicht die Blätter). An deren Stelle könnten lebenspendende Sträucher stehen, man könnte Tiere beobachten – das ist nicht nur am Vogelfutterhäuschen möglich.

Nötig wäre eine Offensive des Umweltamts für naturnahe blühende Gärten. Warum nicht auch eine Hausbauminitiative starten? Nach altem Wissen im Süden des Hauses, Schattenspender und Lebensraum zugleich. Das käme allen zugute.

Ganz besonders bieten Gewerbeflächen und Firmengelände wegen ihrer Größe ein immenses Potential für naturnahe Gestaltung. Auf Firmengeländen einen naturnahen Lebensraum schaffen - so tragen Unternehmen tatsächlich aktiv zum Artenschutz bei. Jeder Beitrag ist ein Bekenntnis zu mehr Artenvielfalt.

Konkrete Maßnahmen für Alzenau:
  • Verschattung und aktive Kühlung von Plätzen und Straßen durch Bäume und Kletterpflanzen
  • Naturnahes öffentliches Grün mit einheimischen Pflanzen
  • Ökologisches Pflegekonzept für alle kommunalen Flächen
  • Mitgliedschaft im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“
  • Anregung von naturnahen Firmengeländen und Gärten – keine Schotterwüsten

 

Sternensicht – Insektenschutz statt Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung ist kein abgedrehtes Thema von Ökofreaks sondern wissenschaftlich anerkannte Realität: Nächtliches Licht ist erwiesenermaßen schädlich für Insekten, Vögel, Fledermäuse, Bäume (trägt zum Artensterben bei) und es gibt viel zu viel davon. Daher wurden in Bayern infolge des Volksbegehrens Artenschutz Gesetze zur Lichtvermeidung (§ 11a BayNatSchG; Art. 15 BayImmSchG) eingeführt. Allgemein ist nächtliche Beleuchtung, die die Insektenfauna stört, zu vermeiden. Konkret ist es verboten, öffentliche Gebäude nachts nach 23 Uhr anzustrahlen. Vielleicht sollte gestalterische Beleuchtung deshalb ganz entfallen? Darüber ist zu diskutieren (Burgbeleuchtung). Radwegbeleuchtung, die aus eben diesen Gründen ohnehin nur noch bis 23 Uhr erfolgen soll, halten wir nach dem aktuellen Wissensstand für schwer vertretbar – für die erforderliche  Verkehrssicherheit sorgen heute die modernen starken Lichtstrahler am Rad.

Auf den Prüfstand gehört nicht nur die öffentliche Beleuchtung sondern auch die Beleuchtung des Gewerbes: Schaufenster, Werbetafeln, Firmengelände. Und auch Privathäuser sollten sich auf die zur sicheren Nutzung erforderliche Außenbeleuchtung beschränken (also keine allgemeine Gartenbeleuchtung, vor allem keine besonders schädlichen, weil nach oben abstrahlenden Kugellampen mehr; Jalousien runter oder Fensterläden zu), wollen sie Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein. Ein positiver Nebeneffekt: Stromeinsparungen (gut fürs eigene Budget, gut fürs Klima).

Die weiterhin erforderliche Außenbeleuchtung ist so insektenfreundlich wie möglich zu gestalten (warmgelbes Licht, nach unten gerichtete Strahler). Positiv ist, dass ein Großteil der Straßenlampen in Alzenau bereits auf weniger schädliche warmgelbe LED umgestellt ist.

Vorbilder einer modernen Beleuchtung sind Fulda (Sternenstadt) und Augsburg (Modellstadt für umweltfreundliche Beleuchtung). Im Bebauungsplan sind Festsetzungen über Außenbeleuchtung möglich.

  • Erstellung eines Lichtnutzungskonzepts - alle Beleuchtung auf den Prüfstand
  • Anregung und Beratung zu Beleuchtungsfragen

 

Nächstes Kapitel: Bildung und Kultur

 

Termine

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