Grüne Alzenau

Stadtverband

Am 30.8. fand endlich die eintägige Exkursion nach Freiburg statt. Sinn und Zweck der Tour war die Besichtigung des „ökologischen Vorzeigeviertels“ Vauban aus städtebaulicher Perspektive. Eine Stadtplanerin, die selbst im Viertel wohnt und die daher auch Fragen des Alltags beantworten konnte, führte uns durch das ehemalige Kasernengelände.  

Was macht das Quartier Vauban aus?

Vor allem drei Dinge: der energetische Standard (Solardächer überall, solarausgerichtete Bauten mit Passivhausstandard, Solarsiedlung), die zentrale Rolle von Baugruppen (dadurch wurde eine lebendige kleinteilige individuelle Bebauung erreicht, die nichts mit den üblichen Wohnquadern zu tun hat, es gibt echte Straßenräume; zudem ist es ein vergleichsweise kostengünstiges Bauen) und das autoreduzierte Wohnen (entweder man hat gar kein Auto oder keinen Stellplatz am Haus. Bewohnerparkplätze liegen in zwei Sammelgaragen am Rande des Viertels und es gibt ein gut funktionierendes Carsharing-System).

Besonders fiel uns auf:

  • Das viele Grün: viele alte Bäume: es wurden bei der Umgestaltung des ehemaligen Militärgeländes so gut wie keine alten Bäume gefällt sondern geschickt um die alten Bäume herum gebaut. Ergebnis: Schatten und Atmosphäre; junge Bäume an den schmalen Wohnstraßen mit Alleecharakter, Hecken (gerne Kornelkirsche), viele Kletterpflanzen vor allem an den vielgestaltigen Außentreppen (die besonders bewundert wurden).
  • Schmale Wohnstraßen mit einer Rinne an jeder Seite und Bäumen – entspanntes Gehen im Schatten, kein Lärm, Bänke und immer Radständer vor den Hauseingängen. Ohne Autos ist es leiser, schattiger, unbeschwerter.
  • Der behutsame Umgang mit dem vorhandenen Alten: die sanierten Kasernengebäude zeigen eindrucksvoll, was geht, wenn man will. Auch die Bäume blieben ja stehen.
  • Eindrucksvoll in der Wirkung das Regenwasserkonzept: durch Gründächer und den sehr geringe Umfang von privaten (viele Kieshöfe oder Pflaster mit großen offenen Fugen) und öffentlichen versiegelten Flächen (das Mobilitätskonzept spart enorme Flächen) und große naturnahe bepflanzte Versickerungsmulden, wird über 80 % örtlich versickert – und trägt damit bei zu Grundwasserneubildung und verhindert Überschwemmungen.

Nach einem Gang durch die Solarsiedlung noch ein kurzer Besuch beim Heliotrop (Plusenergiehaus mit Drehmechanismus), das etwas oberhalb am Hang an Versuchsflächen des staatlichen Weinbauinstituts angrenzt (was noch einen Blick auf die laufenden Projekte zu PIWIs und „Schafe im Weinberg“ erlaubte).

Am Nachmittag ging es für alle Teilnehmer:innen in die Freiburger Innenstadt. Dabei erfreute uns unter anderem der 10-Minuten-Takt der Straßenbahn, mit dem man flexibel überall hinkommt. Erschreckt haben uns die leeren „Bächle“ und die ebenso leere Gerberau, die eigentlich als Kühlpotential der blauen Infrastruktur dienen. Auf dem Rückweg ging es am Freiburger Klimacamp vorbei, über den Platz der Alten Synagoge zwischen Uni und Theater, dort wo vor Jahren eine vierspurige Autostraße war. Ein Wasserspiegel auf den Grundmauern der 1938 zerstörten Gebäudes erinnert an die Synagoge. Zwischen blauer Radlerbrücke und Stadtbahnbrücke am Hauptbahnhof kamen wir noch an der Freiburger Radstation, eine riesige Garage für Fahrräder und Werkstätten in den oberen Stockwerken, vorbei.

Quintessenz: städtebaulich ist ganz viel möglich – wenn man den Autos und damit dem Asphalt weniger Raum gibt, Bäume stehen lässt und neue pflanzt, Altes saniert – also einfach das tut, was man schon lange weiß, dass man es tun muss. Am besten ist, hinfahren und selbst erleben, wie menschenfreundlich und anregend Stadt sein kann. 

 

 

 

Häuser mit viel Grün und Straßen ohne ParkplätzeDach mit großer SolaranlageEin Unterstand für FahrräderDas Heliotrop ausgetrockneter KanalFreiburger FahrradparkhausFreiburger KlimacampAbbild der alten Synagoge, im Hintergrund der Grundriss

 

 

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