Zwischen Weizenfeldern und Widerstand: Ein Abend mit ukrainischer Geschichte(n)

ALZENAU. „Zwischen Weizenfeldern und Widerstand: Die Ukraine – Geschichte, Identität und der Kampf um Freiheit“ – unter diesem Titel hatten die Alzenauer und Kreis-Grünen zu einem Vortrag mit dem Osteuropa-Historiker Joachim Wieder in das Maximilian-Kolbe-Haus eingeladen. Karl Amberg begrüßten für die Alzenauer Grünen und Kreisrat Volker Goll für die Landkreis-Grünen die rund 90 Besucherinnen und Besucher.

Im Mittelpunkt standen keine tagespolitische Auseinandersetzungen und politische Positionen, sondern die historischen und gesellschaftlichen Hintergründe der Ukraine. Was hält ein Land in einer existenziell bedrohlichen Situation zusammen? Was macht die Ukraine im Inneren aus? Welche unterschiedlichen Identitäten treffen in dem großen Land aufeinander? Und wie ist die Ukraine überhaupt entstanden?

Joachim Wieder näherte sich diesen Fragen mit einem bewusst eher klassischen historischen Vortrag. Zahlreiche Landkarten, historische Entwicklungen und Exkurse in die osteuropäische Geschichte machten deutlich, wie komplex die Geschichte der Ukraine und ihrer Nachbarn ist.

Aber genau dieser Zugang erwies sich als überraschend erfolgreich. Nach rund einer Stunde Vortrag und einer Pause blieben nahezu alle Gäste im Saal. Und das lag nicht an den leckeren ukrainischen Snacks, die Volker Goll von einer ukrainischen Neubürgerin aus Kahl mitbrachte. In der anschließenden Gesprächsrunde wurde aufmerksam zugehört, nachgefragt und intensiv diskutiert. Bürgermeister Noll leitet die Diskussionsrunde mit einem Grußwort ein. Der Saal blieb bis zum Ende gut gefüllt und nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung wurde noch lebhaft weiter diskutiert.

„Wir waren zunächst selbst gespannt, ob ein eher klassischer Vortrag mit viel Geschichte, Landkarten und historischen Zusammenhängen heute noch ein großes Publikum erreicht“, so der Alzenauer Karl Amberg, „umso schöner war es zu erleben, wie konzentriert die Menschen dabei waren und wie ernsthaft anschließend miteinander diskutiert wurde.“

„Vielleicht lag der besondere Reiz des Abends gerade darin, dass er bewusst anders konzeptioniert war, als viele politische Veranstaltungen: erst Wissen und Einordnung, dann Meinung und Diskussion. Das gemeinsame Verstehen stand im Mittelpunkt, so Volker Goll. Der Referent Wieder, der extra aus Münster angereist war und in zwei Tagen noch einen weiteren Vortrag bei den Würzburger Grünen halten würde, schloss den Abend mit der Hoffnung, dass sich in der Ukraine auch gerade durch die jetzigen Ausnahmesituation im Krieg eine sehr selbstbewusste Zivilgesellschaft entwickelt habe. „Diesen Kampf um Freiheit und das Leben in einem demokratischen Europa wird neue Maßstäbe auch an die eigene Regierung und das Zusammenleben setzen!“, so Joachim Wieder.

Ein Abend mit Landkarten, Geschichte und Geschichten der Ukraine ging viel zu schnell zu Ende, zeigte aber auch, dass gerade in einer Zeit schneller Nachrichten und zugespitzter Debatten ein Bedürfnis nach Hintergründen, Wissen und differenzierter Auseinandersetzung besteht. „Guter politischer Austausch beginnt manchmal damit, nicht sofort über Positionen zu streiten, sondern gemeinsam verstehen zu wollen“, so ein Teilnehmer aus Alzenau.

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